Zeitreise durch das Funkhaus Ost | Berlin

50er Jahre

Die 50er in der Nalepastraße 10-50


Diverse Dokumentationen sowie noch lebende Zeitzeugen belegen, dass der Berliner Rundfunk nach dem zweiten Weltkrieg seinen Sitz zunächst im Haus des Rundfunks an der Masurenallee hatte. Der staatlichen Rundfunk der Sowjetischen Besatzungszone und späteren DDR nutzte übergangsweise und fast parallel dazu auch noch das Funkhaus in Grünau.

Die damals Verantwortlichen hielten in diesen Jahren aber längst Ausschau nach einem auf Dauer geeigneten Objekt für ein neues Funkhaus im Ostteil Berlins. Fündig wurden sie letztendlich im Ortsteil Oberschöneweide. Denn dort befand sich eine leerstehende Holzverarbeitungsfabrik, die um 1935 auf dem einstigen Gelände des Forsthauses "Neue Scheune" errichtet worden war und zu Kriegszeiten auch Munitionskisten baute.

Diese Fabrik wurde innerhalb nur weniger Monate zu einem zentralen Rundfunkzentrum umfunktioniert und peu à peu weiter ausgebaut.


Quelle: Beiträge zur Geschichte des Rundfunks | Fotoarchiv von Karl Metz


Obiges Foto entstand etwa im Spätherbst 1951 (der Baubeginn war im Juni 1951). Es zeigt die bereits rohbaufertigen Etagenaufsätze auf dem lang gestreckten Hauptkorpus (eine Etage) und dem Turm (drei Etagen).

Der Betonskelettbau der einstigen Furnierfabrik erhielt eine neue Fassade aus rotem Klinkermauerwerk, die Franz Ehrlich durch Lisenen aus Sandstein vertikal gliederte.





Quelle: Beiträge zur Geschichte des Rundfunks | Fotoarchiv von Karl Metz


Oben eine weitere Aufnahme vom Bau des Funkhauses Nalepastraße nach Abnahme der Einrüstung im Frühsommer 1952. Derzeit noch ohne Übergangsstrakte von Block A zu Block B bzw. von Block A nach Block C (mit Kultursaal und Kantine), die damals baulich auch erst begonnen wurden.

In diesem Hauptgebäude mit seinem neungeschossigen Turmhaus entstanden zahlreiche Büros für Redakteure und Verwaltung sowie Aufnahmestudios für Radiosendungen.


Schlussendlich wurde am 31. Dezember 1951 die erste Rundfunksendung aus einem Verwaltungsgebäude der ehemaligen Holzverarbeitungsfabrik mit Turmhaus "gefahren".





Quelle: Beiträge zur Geschichte des Rundfunks, 16. Jahrgang 1/82


Das Foto zeigt die von der nördlichen Spreeuferseite auf die zu dieser Zeit provisorisch eingerichtete Be- und Entladungsrampe für Baumaterial und Aushub hinter dem Block B des Funkhauses Nalepastraße.




Für die künstlerischen Musik- und Wortproduktionen war von Anfang an ein neues Gebäude vorgesehen, dessen Bau 1952 begann, sich durch einen Brand [Das Funkhaus brennt] um zwei Jahre verzögerte, deshalb erst 1956 endete.


Im Bild zu sehen die verbundenen Blöcke A und B | Bildquelle: Heinz Funck *




Am 10. Februar 1956 konnte der Block B - bestehend aus einem äußeren Haus mit acht inneren Häusern ( vier Säle und zwei Hörspielstudios) übergeben werden. Sensitiv-Collage:




Jedes der trapezförmigen Studios hat eigene Fundamente, eigene Wände, eigene Dächer, wodurch die Schallwellenübertragung von einem zum anderen Raum verhindert werden, aber dadurch auch Aufnahmen von der Außenwelt völlig abgeschirmt bleiben. Zudem ergeben die unterschiedlich großen Studios mit veränderlichen Wänden und Bodenbelägen sowie ausgeklügelten Reflexionswinkeln durch nichtrechteckige Grundrisse eine Vielzahl natürlicher akustischer Räume.


Bogengang im Block B | Bildquelle: Graustufen-Screenshot © 360° Panorama Berlin


Der verglaste und lichtdurchflutete Bogengang mit seinen großen Stahlfenstern war eine Reminiszenz Franz Ehrlichs an das Bauhaus und diente als Foyer und Aufenthaltsraum. Hingegen erreichte man vom kleineren und inneren Bogengang aus die technischen Räume.


Die Eingangshalle mit Freitreppe und Säulen
Bildquelle: Graustufen-Screenshot © 360° Panorama Berlin


Für den Boden wurden Saalburger Marmor, ein farbiger Kalkstein aus Thüringen, verwendet.

An der Innenausstattung der Gebäude waren maßgeblich die Deutschen Werkstätten Hellerau in Dresden beteiligt.






Blick in den Kultursaal im Block C
Bildquelle: Graustufen-Screenshot © 360° Panorama Berlin


Im Mehrzweckpart, Block C, waren eine Kantine, ein anfangs zweigeschossiger Veranstaltungssaal sowie hin zu Block D eine große Halle mit einem Sheddach, die eine optimale Ausleuchtung mit Tageslicht ermöglichte, untergebracht.






29. April 1958 | Foto: Baier | Bundesarchiv Nr.: 183-54922-0004



Baudenkmal


Grober Überblick | Rundfunkzentrum Nalepastraße




Die inzwischen und angeblich dienstälteste Hitparade der Welt, die Schlagerrevue, nahm ihren Anfang 1953 bei Radio DDR I. Es war eine Musiksendung, in der gleichermaßen Neuproduktionen des Rundfunks und der Plattenfirma Amiga vorgestellt und gewertet wurden.

Erste Musikredakteure waren Gerhard Honig und Siegfried Mai. Ihnen folgte Walter Kubiczeck bis 1963. Aber seither waren es ein ganzes Vierteljahrhundert lang Siegfried Jordan zusammen mit Heinz Quermann als Moderator, die mit dieser Sendung von sich Reden machten.






Zur Entwicklung des Hörspiels in der DDR-Rundfunk
Ende der 50er Jahre begann eine Phase der Umorientierung und Konsolidierung mit einer verstärkten thematischen Hinwendung zur DDR-Realität sowie der zunehmenden Mitarbeit von Schriftstellern am Hörspiel. Siehe auch ARD Hörspieldatenbank. Weblink






Die Herausgeberin der Zeitreisen-Webpräsenz freut sich über Zeitzeugen, die peu à peu helfen, die Seiten dieses Online-Portals mit historischen Dokumenten auch weiterhin zu füllen.

Für Anfragen zum Projekt nutzen Sie bitte das Kontakt-Formular.



Seitenanfang

Momentaufnahmen

Gestern