Zeitreise durch das Funkhaus Ost | Berlin

60er Jahre

DDR-Rundfunk in den 60ern


In den 60ern des letzten Jahrhunderts existierten beim DDR-Rundfunk die Hauptprogramme Radio DDR I, der Deutschlandsender und der Berliner Rundfunk sowie die so genannten Ergänzungsprogramme wie Radio DDR II als auch die Berliner Welle. Seit Ende der 50er gab es außerdem auch schon den Auslandsdienst Radio Berlin International.

Hintergrundinformationen mit jeweils weiterführenden Links, Dokumenten und Hörzitaten finden Sie auch auf den Seiten des DRA, auf die dieses Portal ganz gezielt verweisen möchte.




Beispiel: "Neumann – 2x klingeln" auf Radio DDR I. Eine Familienserie, die am 3. Februar 1968 startet. DDR-Rundfunkoriginale






"Spitzenparade"
Kabarettistisches DDR-Rundfunkprogramm während des Ätherkrieges
DRA: Das besondere Dokument






DDR-Rundfunkkomlex | Block E-T

Nahezu unbemerkt von der Öffentlichkeit verschwindet um 2014 herum so nach und nach der Gebäudekomplex, der Mitte der 60er der neue "UKW- und Auslandsstudios"-Komplex des Rundfunks der DDR in der Nalepastraße im Jahre 1965 - sozusagen "Erstausstattungsqualität" war.

Der Bau hieß damals Block E-T (T wie Technik):


Blick hin zu E-R und E-T im Vordergrund | Bildautor vermutlich Herr Dummer / RFZ


Block E-T und Block E-R: 2014 fotografiert von © Elisabeth Heller im Frühjahr 2014 (automatischer Bildwechsel nach jeweils 10 Sekunden)


Ein Entkernungstrupp hat mit Atemschutz die gesamte Glaswolle aus dem Innenausbau geholt und in diesem Zustand dem Abrisstrupp übergeben. Jener wird staunen, wenn er die erste Wand einreißt, weil: wieder Glaswolle! Alles doppelwandig und ausgestopft. Offensichtlich lässt sich das Gebäude nicht so einfach entfernen.


Glaswolle, Glaswolle, wohin das Auge blicket | Bildautor: Andreas Knedlik


Der Bau besteht aus acht identischen Sendekomplexen, immer zwei nebeneinander und zwei gespiegelt gegenüber und das gleiche noch einmal.

Alles Flachbau, Dach drüber und Kabelgänge drunter, teils auch richtig unterkellert. Dort fanden sich später "Geheimstudios" für welchen Ernstfall auch immer. Das war 1963-64 nicht einmal allen wirklich unmittelbar an Bau und Planung Beteiligten bekannt, es wäre also zu fragen, wann das eingebaut wurde.

Für die Planung der Raumakustik, die bereits mit den grundlegenden Abmessungen und Formen der Räume sowie der baulichen Ausführung der Rohbauwände beginnt, zeichnete Gisela Herzog verantwortlich, die bereits Anfang der 50er Jahre die heute legendären Säle und Aufnahmeräume im Block B berechnet und geplant hatte und später auch die Akustikplanung zahlreicher Gesellschaftsbauten in der DDR durchführte, z.B. für das Haus der Kultur Gera, die Stadthalle Karl-Marx-Stadt oder entsprechende Säle in Schwedt und Suhl.

Alle Wände sind 36er Ziegelmauer (ohne Lochziegel) und ein- oder beidseitig verputzt, mit Klinkerverblendung. Jeder Raum steht auf eigenem Fundament und hat eigene Wände.

Selbst die Wände innerhalb eines Komplexes sind zweischalig mit Glaswolle dazwischen. Hinter den Bauarbeitern standen zeitweise Aufpasser, damit niemand Mörtelreste oder halbe Steine in den Zwischenraum wirft.

Forderung war: im Kontroll -und Vorbereitungsraum volle Abhörlautstärke und dennoch in beiden zugehörigen Sprecherräumen getrenntes (!) Sprachprogramm mit der Möglichkeit, den Sprechern bei offenem Mikrofon Manuskripte nachreichen zu können. Also alles mit Schallschleusen und schweren Stahltüren. Es gibt keine parallelen Wände in Räumen, die mit Ton zu tun haben.

Die Raumakustik wurde mit Glaswolle und Rieselschutz (Stoffbespannung) eingestellt, die Nachhallzeit in den Sprecherräumen liegt um 0.3 - 0.4 s (Sprecherraum 1) bzw. 0.2 - 0.3 s (Sprecherraum 2) mit jeweils gering längerer Nachhallzeit im Bereich niedriger Frequenzen (ca. 0.5 s), das Übersprechen zwischen den Räumen eines Komplexes wurde gegenüber der Berechnung um 2-5 dB verfehlt, je nach Frequenzbereich.


Grundriss eines Sendekomplexes | Zeichnung: Gisela Herzog


Das Redaktionsgebäude E-R (mit Paternoster) wurde zeitnah hochgezogen.


Sprecherraum 1
Sprecherraum 1
Sprecherraum 2
Sprecherraum 2


Block E-T Urzustand 1965 | Kontrollraum noch mit 2-Mann-Betrieb (separater Abspieldienst), Produktionsraum im Verbindungstrakt, Sprecherrraum im Verbindungstrakt, Fotos: vermutlich Herr Dummer / RFZ
(automatischer Bildwechsel nach jeweils 10 Sekunden)


Rechts außerhalb des Bildes stand noch eine zweite Bandmaschinenanlage mit zwei weiteren Maschinen. Hinter dem Abspieldienst sieht man Sprecherraum 1 mit der Mikrofonabhängung.

Später rückten mit dem Umbau auf Einmann-Betrieb die Bandmaschinen hinter den Sendefahrer. Dann sah es dort so aus [Bildlink ...]



Recherche | Text: Dr. Christian Schubert

Beeindruckende Sätze rund ums Funkhaus fand Dr. Christian Schubert in einem Beitrag vom April 2014 [s. a. ...].




Grober Überblick | Rundfunkzentrum Nalepastraße



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