Baudenkmal

Das Baudenkmal



Das in seiner ursprünglichen Form erhaltene Rundfunkzentrum gehört bis heute zu den herausragenden Werken der DDR-Baukunst und steht als Kulturdenkmal-Unikat unter Denkmalschutz.

Laut Überlieferungen von Zeitzeugen waren für die Gesamtkonzeption des Gebäudeareals der Chefingenieur Gerhard Probst zusammen mit Franz Ehrlich - Architekt und von 1927 bis 1931 Studierender am Bauhaus - verantwortlich. Für die bau- und raumaktustische Konzeption waren der leitende Akustiker Dr. Ing. Lothar Keibs und die wissenschaftliche Mitarbeiterin Gisela Herzog zuständig, die alle Berechnungen, Messungen und die Bauüberwachung zur Aufgabe hatte; vorrangig ihrer Arbeit die weltweit geschätzte Akustik zu verdanken ist.




Musikprofis zur Akustik | Der Raum ist das Kleid der Musik




Die einzelnen Gebäudeteile des ehemaligen DDR-Rundfunkzentrums Nalepastraße, die durch unterschiedlich gestaltete, fast brückenartige und teils von Säulen getragenen Übergänge alle miteinander verbunden sind, reihen sich um einen nach wie vor dominant wirkenden Turm des Hauptgebäudes, den so genannten Block A. Siehe auch Grafik auf der Website "Funkhaus Berlin".

Was Besucher vor Ort mitunter zu verwirren scheint ist die Tatsache zu erkennen, dass der Architekt Franz Ehrlich damals auf repräsentative Auffahrten und Zugänge verzichtete. So befindet sich beispielsweise der völlig unauffällige Eingang hin zum Foyer mit Aufgang zu zwei großen Aufnahmesälen sowie dem als Reminiszenz an das Bauhaus verglaste und lichtdurchflutete Bogengang mit seinen großen Stahlfenstern im Erdgeschoss seitlich links des Produktionskomplexes B.
Fast entgegen gesetzt davon waren damals von einem inneren Bogengang aus die technischen Räume für die Produktionen des künstlerischen Worts erreichbar.





Fotos: Keshet Geschäftsführungs GmbH & Co. Rundfunk-Zentrum Berlin KG



Außerdem scheint bis heute immer noch zu überraschen, dass Franz Ehrlich in seiner architektonische Gestaltung des einstigen DDR-Rundfunkzentrums wider Erwarten an einer modernen Grundhaltung als Alternative zu damals stalinistischen Baudoktrin hartnäckig festhielt und damit der weit verbreiteten Strömung in der Baukunst der Zwischenkriegszeit folgte. **

Drei Zitate aus dem DEFA-Dokumentarfilm Synthese", der 1957 in die DDR-Kinos kam:


„Linien, Flächen, ein Raum. Im Raum der Mensch. Ist der Raum den Bedürfnissen des Menschen angepasst und ist er dennoch schön - Zweckmäßigkeit und Schönheit waren gleicherweise bestimmend für die Gestaltung des Rundfunkhauses in Berlin.“ „Immer setzt die Baukunst das Bedürfnis am Bauwerk voraus. Gesellschaftliche Notwendigkeit und technische Funktionen stehen am Beginn des Bauens. Der Architekt setzt sie um in künstlerisches Maß“ „Wenn der Mensch seine schöpferischen Qualitäten frei im Raum entfalten kann, wenn er sehend und abschreitend den Raum erlebt, dann ist das Kunstwerk geglückt. Dann ist die Synthese gelungen.“

Details zum Film hier ...


Es sei auch noch angemerkt, dass erst im Oktober 1957 die Orgel im großen Aufnahmesaal - erbaut von Hans Henny Jahnn - einem Mann, der nicht nur Orgeln baute oder als Musikverleger tätig war, sondern darüber hinaus auch noch als Schriftsteller* und politischer Publizist.




50er Jahre | Rundfunkzentrum: Übersicht





100 Jahre Bauhaus im Jahr 2019

Anlass genug dafür, auch auf dieser Seite noch einmal darauf zu verweisen, dass Franz Ehrlich ein Bauhausschüler war. Siehe auch Zitat auf der Jubiläumswebsite zu 100 Jahre Bauhaus: „Einer der architektonischen Höhepunkte seiner Karriere war das Rundfunkzentrum in Berlin-Köpenick, das er gemeinsam mit Gerhard Probst entwarf und errichtete." *

Regina Kuschs und Andreas Beckmanns Interesse am Bauhausschüler Franz Ehrlich mündete bereits vor Jahren in einem Feature mit dem Titel „Bauhaus, Buchenwald und Baudenkmäler | Die fantastische Karriere des Architekten Franz Ehrlich". Mit Stimmen von Zeitzeugen wurde es erstmals am 7.11.2014, ein weiteres Mal am 4. Mai 2018 vom Deutschlandfunk ausgestrahlt. Das Feature-Manuskript als PDF bzw. Worddatei ist derzeit noch zum Herunterladen auf der Website von 2014 zu finden: Weblink




Im Funkhaus Berlin waren und sind vereinzelt sogar noch von Franz Ehrlich entworfene Möbel zu entdecken; sicherlich aber Einbauten und Wandvertäfelungen aus den Werkstätten Hellerau. In dem Zusammenhang ein kleiner HörTipp.








Die Herausgeberin der Zeitreisen-Webpräsenz freut sich über Zeitzeugen*innen, die peu à peu helfen, die Seiten dieses Online-Portals mit historischen Dokumenten auch weiterhin zu füllen.






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* Heute Bezirk Treptow-Köpenick | Ortsteil Oberschöneweide
** Siehe auch; Denkmaldatenbank




© Elisabeth Heller | Zeitreise durch das Funkhaus Berlin-Ost | 2009 - 2017

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